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Nikolausdienst der Kolpingsfamilie Mainburg

Entstehung und Geschichte einer Institution

Nikolausdienst der Kolpingsfamilie Mainburg

Zur Geschichte:

Den Nikolausdienst für Familienbesuche der Kolpingsfamilie Mainburg entstand bereits im Jahre 1963. Zu diesem Zeitpunkt hat
Reinhard Liebner den Nikolausdienst der Kolpingsfamilie Mainburg ins Leben gerufen.

Der Beginn war aus heutiger Sicht bescheiden, wobei sich das Bescheidene auf die Anzahl der Hausbesuche beschränkt. Ein und
im Folgejahr zwei Nikolauspaare besuchten am Nikolaustag die Familien in der nächsten Nachbarschaft.

Dagegen hat die Kolpingsfamilie von Beginn an auf das Äußerliche viel Wert gelegt. Die Kleidung für den Heiligen schneiderte die
Schwester der beiden Brüder. Stab und Mitra wurden selbst gebastelt. Die Anmeldungen erfolgten durch Mundpropaganda,
Telefon war in den Privathaushalten damals noch nicht verbreitet.

 Nikolausdienst in den siebziger Jahren
(Nikolausdienst zu den Anfangszeiten - vermutlich in den frühen siebziger Jahren)

Quantitative Entwicklung des Nikolausdienstes:

Durch das positive Echo wurde der Nikolausdienst in der Bevölkerung bald zu einem Begriff und die Anzahl der Anforderungen
erhöhte sich von Jahr zu Jahr. Ende der sechziger Jahre mussten schon 40 Familien besucht werden.

Eine zentrale Anmeldestelle im Vereinslokal wurde eingerichtet und die Nikolauspaare wurden von zwei auf fünf Paare erhöht.

Als in den siebziger Jahren das Telefon in den Privathaushalten inzwischen weit verbreitet war, wurde bei der Familie Laubmayer
eine zentrale Anmeldestelle eingerichtet. Inzwischen haben die Anmeldungen 80 Familien erreicht. Eine reine Telefonannahme
reichte nun nicht mehr aus. Termine und Zeiten mussten in Einklang gebracht werden. Die Telefonzentrale wurde zur Koordination-
und Beratungsstelle. Dies war erforderlich, weil aufgrund der weiterhin sehr positiven Resonanz die Bestellungen in den achtziger
Jahren 100 Familienbesuche weit überschritten haben. Mit den stetig steigenden Zahlen der Familienbesuchen mussten parallel dazu
auch die Anzahl der Nikolauspaare erhöht werden. Im Verlauf der neunziger Jahre wurde die Grenze der 200 Familienbesuche
überschritten.
Zehn Nikolauspaare sind aktuell im Einsatz um der Nachfrage gerecht zu werden. Reichte in den sechziger Jahren ein Tag für die
Familienbesuche aus, so sind heute deren drei erforderlich um der Nachfrage gerecht zu werden. Zudem wird immer ein
Wochenendtag hinzugefügt um den Familien die Möglichkeit einzuräumen, die während der Woche keine Möglichkeit haben,
gemeinsam den Nikolaus zu empfangen.

Nikolausdienst der Kolpingsfamilie Mainburg in den achtziger Jahren 
(Hl. Nikoläuse und Ruprechte 1992)

Qualitative Entwicklung des Nikolausdienstes:

Anforderungen der Familien

Im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte sind doch einige erhebliche Veränderungen festzustellen. Im Vordergrund stand
zu Beginn des Nikolausdienstes sicherlich die Bewahrung eines alten Brauches. Den Kindern sollte in der Vorweihnachtszeit bereits
Freude bereitet werden. Sollte dabei eine erzieherische Maßnahme, sozusagen im Nebeneffekt erfolgen, ist dies manchmal nicht
unerwünscht. In den folgenden Jahren erhöhten sich die Anforderungen an das Nikolauspaar. Dies beginnt schon bei der
Anmeldung und Terminvereinbarung. Die Eltern erwarten ein Nikolauspaar das mit ihren Kindern umgehen kann, unabhängig davon
ob es sich um extravertierte oder introvertierte Kinder handelt. Der „Heilige“ hat im Dialog mit den Kindern immer das
„richtige Wort“ zu finden. Für die Familie soll der Nikolausbesuch ein Highlight für diesen Abend und für die Kinder eine
Einstimmung für die Advents- bzw. Weihnachtszeit sein. Der „Heilige“ muß würdig erscheinen und einwandfrei gekleidet sein.
Nichts soll darauf hinweisen, dass sich ein „normaler Mensch“ dahinter verbirgt. Das gleiche trifft für den „Krampus“ zu. Dabei sind
Kenntnisse aus den Kindergärten, Schulen sowie den aktuellen Kinderbüchern und technischen Spielzeugen Voraussetzung für
den Heiligen um mit den Kindern im Dialog zu bestehen.

Nikolaus bei Vereinen und öffentlichen Einrichtungen

Nachdem der Nikolausdienst bei den Familien eine hohe Akzeptanz erreicht hatte, wurden die Wünsche von den Vereinen immer
häufiger, den Kolpingnikolaus für Nikolaus- oder Weihnachtsfeiern zu bestellen. Im Mainburger Kinderhort ist der Nikolaus seit
mittlerweile über 30 Jahren Gast. Damit ist der Name Alois Meindorfer eng verbunden. In den siebziger und achtziger Jahren waren
Besuche im Mainburger Krankenhaus, Grundschule und im Altenheim jedes Jahr auf dem Terminkalender. Diese Termine wurden lange
Jahre von Paul Braun sen. wahrgenommen.


Anforderungen an die Organisation/Koordinationsstelle

Hier werden bereits die Inhalte und der Ablauf des Besuches festgelegt. Von der zentralen Koordinationsstelle wird nicht nur die
Adresse und Anzahl der anwesenden Kindern erfasst. Bei diesem ersten Kontakt erfolgt schon die Beratung, wie der Brief für den
Nikolaus von den Eltern erstellt wird. In welcher Folge die lobenswerten und die zu tadelnden Taten dargestellt werden. Sind die
Kinder noch zu klein oder zu furchtsam, dann bleibt der Krampus auf Wunsch der Familie vor der Haustüre. Diese Info und andere
erhält das Nikolauspaar bereits auf dem Protokoll seiner Adressen. Kurz, der gesamte Auftritt wird mit den Familien in deren Sinne
im Vorfeld abgestimmt, es wird nichts dem Zufall überlassen. Im Zeitalter der Handys ist die Leitstelle immer aktuell unterrichtet ob
die Zeitpläne eingehalten werden. Besonders bei starkem Schneefall ist Alarmstufe eins. Ersatzleute und – autos müssen
bereitstehen wenn es zu Pannen kommen sollte. Oberstes Ziel ist dabei, alle angemeldeten Familien in einem vertretbaren
Zeitkorridor zu besuchen. Weit über 40 Personen sind inzwischen an drei Tagen involviert. Von zehn Nikolauspaaren über Begleiter
bis zu Vor- und Nacharbeiten für Getränke und Speisen nach durchgeführtem Dienst.


Anforderung an die Nikolauspaare

War es zu Beginn des Nikolausdienstes weitgehend dem Nikolauspaar überlassen, wie der Besuch bei den Familien abläuft, so
beeinflussen doch heute immer mehr die Eltern den Ablauf. Wobei an dieser Stelle festzuhalten ist, dass durchaus
unterschiedliche Anforderungen seitens der Familien festzustellen sind. Diesen unterschiedlichen Anforderungen muß vor Allem
der „Heilige“ gerecht werden. Er muß erkennen ob von den Eltern eine Unter- oder eine Überforderung der Kinder erfolgt.


Ziel des Nikolausbesuches

Vor Allem sollen Werte vermittelt werden, die im Begriff sind aus dem Gedankengut der Familien verdrängt zu werden. Den Familien
wird mit dem Besuch des Nikolauspaares Gelegenheit gegeben, gemeinsam mit Eltern, Kindern, Großeltern und Enkeln einen
Abend zu verbringen. Den Kindern soll dieser Besuch in guter Erinnerung bleiben und vor Allem auf die Adventszeit einstimmen.

Das Nikolauspaar der Kolpingsfamilie soll eine Tradition aufrecht erhalten.

 

Nikolausworkshop

Im Nov. 2000 führte die Kolpingsfamilie Mainburg im Kolpingferienheim Immenreuth einen Workshop für
„alte und neue“ Nikolauspaare durch.

Ziel des Nikolaus-Workshop:

Der Workshop hatte zum Ziel:

die veränderten Anforderungen an die Nikolauspaare zu definieren
•          was erwarten die Erwachsenen, die Eltern von einem Nikolauspaar?
•          was erwarten die Kinder von einem Nikolauspaar?
•          wie soll ein Nikolauspaar gekleidet sein?
•          wie soll ein Nikolauspaar auftreten?

Junge Nachwuchsleute auf die bevorstehenden Aufgaben einzustimmen
•          die ersten Gruppen des Nikolausdienstes kommen in die Jahre
•          junge Familienväter sollen motiviert werden die Nachfolge zu übernehmen

Erfahrungen aus den vergangenen Jahren transparent darzustellen
•          die „alten Hasen“ geben Ihre Erfahrungen an die „Jungen“ weiter
•          in Fallübungen wird dies transparent und überzeugend dargestellt

erkennbare Defizite zu formulieren
•          Themensammlung mit der Methode Brainstorming
•          die Teilnehmer definieren selbstverantwortlich Defizite aus Ihrer Sicht

erforderlichen Maßnahmen einzuleiten
•          Lösungsansätze werden erarbeitet und formuliert
•          ein Maßnahmekatalog wird erstellt

das hohe Niveau nicht nur zu erhalten, sondern stetig zu verbessern
•          d.h., dass jeder Teilnehmer sich auf die Nikolausbesuche vorbereitet
•          vor Allem der „Heilige“ muß sich seiner Aufgabe und Verantwortung bewusst sein

 

Zusammenfassung

Mit der Einführung des Nikolausdienstes der Kolpingsfamilie ist es Reinhard Liebner gelungen, eine Institution in Mainburg zu etablieren,
die weit über die Grenzen Mainburgs höchste Akzeptanz erfährt. Aus einer kleinen Idee ist etwas Großes entstanden.
Für die aktiven Mitglieder dieses Nikolausdienstes ist es jedes Jahr eine Freude junge Familien mit Ihren Kindern zu besuchen.
Neben der Freude ist es aber auch eine Verpflichtung und Herausforderung, jedes Jahr den Anforderungen der Familien gerecht zu werden.